Am nächsten Morgen habe ich erst richtig realisiert, dass meine Unterbringung in der Kirche in diesem Zustand keinesfalls zumutbar ist und erste Schritte unternommen um meine Wohnsituation zu verbessern.
Als Erstes bin ich losgezogen, habe Putzmaterialien besorgt und angefangen die Räume zu säubern, was ich jedoch nach ein paar Stunden aufgab und mich mit den anderen Freiwilligen traf. Als ich meinen Mitfreiwilligen schilderte, wie schlecht es um meine Wohnung bestellt war, haben wir zusammen eine Besichtigung bei mir gemacht und beschlossen, dass ich übergangsweise auf jedenfall woanders untergebracht werden muss. So schafften wir zusammen meine Sachen in eine WG von Mitfreiwilligen, die sehr großräumig ist und am Times Square 10min. zu Fuß von der Kirche entfernt liegt. Natürlich habe ich mit meinem Länderbeauftragten in Phily telefoniert und ihm meine Situation geschildert.
Mein Länderbeauftragter entschloss sich, die Wohnungssituation in der Kirche selbst in Augenschein zu nehmen und danach zu entscheiden, ob die Wohnung überhaupt noch Perspektive hat, oder ob eine neue Unterkunft gesucht werden muss. An dieser Stelle muss jedoch schon erwähnt werden, dass der Reverand auf meinen Auszug aus der Wohnung relativ beleidigt reagierte und mir mitteilte, es sei Teil des Projekts die „einfachen“ Lebensverhältnisse mit der Kirchengemeinde zu teilen. Er hätte deshalb gern, dass ich in Zukunft wieder im Projekt wohnen würde und es würde kein Geld für eine andere Unterbringung zur Verfügung stehen.
Nun ja, einfache Lebensverhältnisse sind eine Sache, unwürdige Lebensverhältnisse dagegen eine andere! Deswegen habe ich der Bitte meines Reverands nicht Folge geleistet und wohne bis zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht in der Kirche, sondern noch in der WG, wo ich sehr willkommen bin und tolle Unterstützung erfahre!
Als meine Länderbeauftragte sich die Wohnung in der Kirche anschaute hat sie sehr viel Verständnis für meine Situation gezeigt, aber mir auch signalisiert, das sowohl ASF, als auch mein Projekt kein Geld hätten mir eine andere Unterkunft zu besorgen und mich gebeten, doch zu probieren die Wohnung mit Hilfe meiner Mitfreiwilligen soweit es geht zu renovieren und bewohnbar zu machen. Andernfalls müsste ich wohl das Projekt wechseln oder meinen Dienst in den USA mit ASF ganz abbrechen. Da diese Alternativen mich keineswegs begeistern habe ich mich letztendlich darauf eingelassen, die Wohnung in der Kirche nicht aufzugeben, sondern zu versuchen mit Eigeninitiative und viel Unterstützung die Bude wieder einigermaßen herzurichten.
3 Wochenenden hinter einander habe ich bisher mit meinen Mitfreiwilligen zusammen in der Kirche geputzt und renoviert. Ich kann nicht oft genug betonen, wie dankbar ich den anderen Freiwilligen hier in NYC für ihre Hilfe bin!!!
Bis zum heutigen Zeitpunkt sind immer noch viele Dinge nicht gelöst, aber die Wohnung sieht schon sehr viel besser aus als vorher und ich werde versuchen demnächst Fotos hochzuladen, damit Ihr einen besseren Eindruck bekommen könnt!
Die Arbeit im Projekt erweist sich schon als eine große Herausforderung, die eine hohe Frustrationstoleranz benötigt, aber auch schöne Momente offenbart.
Doch mehr dazu findet ihr in meinem nächsten Artikel…












