Archiv für die Kategorie ‘Uncategorized’

Interview

Juni 22, 2009

Im April führte ich mit einem der längsten Gemeindemitglieder in der Kirche ein Interview, was im Rahmen meiner Vorbereitung auf das zweite Seminar unserer Freiwilligengruppe in Washington D.C. im Mai stattfand. Jeder Freiwillige hatte die Aufgabe, mit einer Person aus seinem Umfeld ein Interview zu führen, sodass wir auf dem Seminar die Möglichkeit hatten, uns gegenseitig die Interviews vorzustellen. Es war total interessant, da die Interviews einen Querschnitt der amerikanischen Gesellschaft darstellten und sehr facettenreich waren: Angefangen bei ehemaligen Aktivisten aus dem Civil-Rights Movement, über Obdachlose und Suchtkranke, bis hin zu Immigranten mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen und Homosexuellen.

Hier der Link zu der inhaltlichen Zusammenfassung unseres Interviews:

Anonymisiertes Interview

Nach langer Zeit ein Lebenszeichen…

Juni 21, 2009

Zunächst muss ich mich dafür entschuldigen, dass ich in den letzten Monaten nicht mehr meinen Blog aktualisiert habe! Doch das heisst nicht, dass in der Zwischenzeit hier in New York nichts passiert ist. Ganz im Gegenteil:

Hier war so viel los, dass ich nicht mehr dazu kam, meine Erfahrungen in diesem Blog zu veröffentlichen.  Das tut mir leid und ich freue mich sehr, dass ich jetzt endlich mal wieder Zeit und Muße finde, ein wenig aus meinem Leben hier zu berichten.

Zunächst möchte ich einen Brief unserer Freiwilligengruppe 08/09 vorstellen, den wir gemeinschaftlich auf unserem zweiten Seminar in Washington D.C. im Mai erstellt haben:

USA-Brief

Election Night

November 6, 2008

Gestern war Wahltag! Ein historischer Tag in der Geschichte der USA! Zum ersten Mal wurde ein Afroamerikaner zum Präsidenten gewählt!

Der gestrige Tag war wohl mit der eindrücklichste Tag, den ich seit meiner Ankunft hier in den USA erlebt habe. Reverand Helm hatte mich eingeladen die Wahlergebnisse in seiner Wohnung mit ihm zusammen vor dem TV anzugucken. Es war echt wahnsinnig spannend die Wahl mitzuverfolgen und zuzuschauen, wie ein Staat nach dem anderen ausgewertet wurde, bis der Sieger auf einmal doch sehr eindeutig feststand. Gleichzeitg war es für mich ein irres Gefühl Bilder von Menschenmassen am Rockefeller Center und am Times Square zu sehen und zu wissen: „Wow, du bist nur 10 Minuten Fußweg von diesen Menschen entfernt!“

Anzeige des bisherigen Wahlergebnisses in den einzelnen Staaten am Times Square

Anzeige des bisherigen Wahlergebnisses in den einzelnen Staaten am Times Square

So langsam sehnte ich mich dann natürlich auch zu den Menschen auf den Straßen zu stoßen und diese einzigartige Nacht auf mich wirken zu lassen. Aber eine Einladung vom Chef schlägt man besser nicht so leicht aus…

Es war letztlich schon auch sehr schön, mitzuerleben wie sehr sich Reverand Helm über den Sieg gefreut hat und er Telefonanrufe von Freunden und Familie empfangen hat, die ihre Freude mit ihm teilen wollten.

Nachdem ich noch die Rede von Barack Obama nach seinem Wahlsieg vor über 1. Mio. Menschen im Grant Park in Chicago mit dem Reverand zusammen angeguckt habe, bin ich dann auch endlich losgezogen und habe mich mit Martin zusammen live von der atemberaubenden Siegesstimmung vieler jubelnder Menschen aus aller Welt auf den Straßen New York´s überzeugt. Besonders auffällig war, dass viele Jugendliche noch bis spät in die Nacht getanzt und gefeiert haben! Jubelnde Massen die in Sprechchören schreien: „Barack Obama, Barack Obama!“ Kann man sich das bei einer herkömmlichen, deutschen Präsidentschaftswahl vorstellen? Ich habe es bisher noch nicht erlebt und kann es mir nur sehr schwer vorstellen…Man hatte fast das Gefühl, als sei nun alles möglich und die Weltrevolution stehe vor der Tür! Natürlich ein illusorischer Gedanke, aber die Freude der Menschen war echt atemberaubend!

Black Power! "YES, we can!"

Black Power!

Diese Emotionalität der Amerikaner bei dieser Wahl ist schon einzigartig und es war bewegend auf den Straßen mitzuerleben, wie afroamerikanische Taxifahrer noch Stunden nach dem Wahlsieg Obamas mit Freudentränen in den Augen durch die Straßen fuhren und zu hören wie besonders ältere Menschen sagen: „Nie im Leben hätte ich mir träumen lassen zu erleben, wie ein Afroamerikaner zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird!“

Dieses eindeutige Wahlergebnis ist ein Zeichen für den breiten Willen der amerikanischen Bevölkerung einen neuen, fortschrittlicheren Kurs in der Politik einzuschlagen. Einen Kurs, der nicht nur die obersten 10% der Bevölkerung zufrieden stellt, sondern der soziale Gerechtigkeit fördert. Eínen Kurs, der an die Stelle des amerikanischen Militarismus einen intensiven Dialog und Völkerverständigung setzt. Nach der großen Finanzkrise haben Menschen im ganzen Land gespürt, wie das Land in den letzten Jahren heruntergewirtschaftet wurde. Barack Obama hat nicht umsonst darauf aufmerksam gemacht, dass „Change“ (Veränderung) nicht allein der Wahlsieg bringt, sondern vielmehr lediglich die Chance darstellt, Veränderungen in Gang zu setzen.

Nun wird es sehr spannend mitzuerleben, wie Obama sich nun im Amt des Präsidenten verhält und inwiefern seine sehr sympathische Mentalität des Arme-hoch-krempelns und gemeinsam Anpackens einen Kurswechsel in diesem Land vorantreibt. Ich hoffe sehr, dass Obama halten kann, was er vor der Wahl versprochen hat und die Hoffnungen von Millionen Menschen in seine Person nicht enttäuschen wird!

Bilder auf Videowänden am Times Square

Bilder auf Videowänden am Times Square

Der "Election Plaza" am Rockefeller Center

Der "Election Plaza" am Rockefeller Center

Halloween

November 5, 2008
P

Jimmy, ein älteres Mitglied der Gemeinde, als Graf Dracula verkleidet - zum fürchten :P

Mein Halloween hier in New York begann zunächst als ein sehr stressiger Arbeitstag, weil ich neben meinen regulären Aufgaben eine Halloween-Party für die Kids hier in der Kirche organisieren sollte und die Planung recht kurzfristig angelegt war. In letzter Sekunde wurden Süßigkeiten ect. eingekauft, Muffins gebacken, Früchte geschnitten und dekoriert. Aber letztlich hat sich die Arbeit gelohnt und die Party war ein Erfolg.

Nach der Party war ich noch auf der großen Halloween Parade in Greenwich Village. Die Parade erinnerte mich einerseits an den Rosenmontagszug und andererseits an die Loveparade – auf jedenfall war es bunt und schrill! (bisher leider noch keine Fotos)

Gruppenbild mit Nachbar Alfredo und seiner kleinen Tochter

Gruppenbild mit Nachbar Alfredo und seiner kleinen Tochter

Der Reverand, Britta, ein deutsches Mitglied der Gemeinde und meine Nachbarn Cinthia und Alfredo mit ihrer kleinen Tochter Bella

Der Reverand, Britta, ein deutsches Mitglied der Gemeinde und meine Nachbarn Cinthia und Alfredo mit ihrer kleinen Tochter Bella

Gruppenbild der Kids - besonders süß der kleine Noah in meinen Armen und Bella der rote Hummer ;-)

Gruppenbild der Kids - besonders süß der kleine Noah in meinen Armen und Bella der rote Hummer ;-)

Bella, die kleine Tochter von meinen Nachbarn. Preisträgerin des besten Halloween-Kostüms 2009

Bella, die kleine Tochter von meinen Nachbarn. Preisträgerin des besten Halloween-Kostüms 2009

Let´s talk about Politics!

Oktober 29, 2008

Ein großes Thema in dieser Zeit hier in den USA ist natürlich die Politik. Schließlich hat das Land mit der größten Finanzkrise seit der „Great Depression“ zu kämpfen und zudem stehen am 4. November die Präsidentschaftswahlen vor der Tür. Es ist äußerst interessant und spannend vor Ort mitzuerleben wie die politische Umwälzung dieses Land beeinflusst.

Zum ersten Mal in der Geschichte der USA regiert in Zukunft womöglich ein Afroamerikaner die USA. Es ist beeindruckend wie emotional geladen die amerikanischen Bevölkerung auf die kommende Wahl reagiert. Hier in New York sind Barack Obama Anhänger stark dominierend und Menschen stecken sehr viel Hoffnung in den gebildeten und jungen Präsidentschaftskandidaten. Man hat das Gefühl die Präsidentschaftswahl hält das ganze Land in Atem und es scheint als führe jedes Gespräch mit Amerikanern über kurz oder lang zur Politik. Uns Freiwilligen wurde noch auf dem Orientierungsseminar in Philadelphia erzählt, dass man das Thema Politik lieber galant ausspart, weil Amerikaner sehr emotional reagieren könnten und man Gefahr laufe sich Sympathien zu verscherzen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen hier ist es aber unmöglich in dieser Zeit nicht über Politik und die kommende Wahl zu sprechen. Menschen haben meiner Meinung nach hier großes Interesse daran sich auszutauschen, zu erfahren ob der Freund, Nachbar oder die Frau hinter der Kasse im Supermarkt eher ein Anhänger Obama´s oder Mc Cain´s ist. Mir selbst ist es schon öfters passiert, dass ich Small-talk mit Leuten beim Sport oder sonst wo gehalten habe und ich nach ein paar Sätzen gefragt wurde, welchen Kandidaten ich denn wählen würde. Außerdem sind viele Amerikaner sehr daran interessiert zu erfahren, wie die Stimmung zur amerikanischen Präsidentschaftswahl in Europa aussieht.

Die Finanzkrise war besonders für den Wahlkampf der Republikaner nicht gerade förderlich und es scheint, als könnte die verfehlte Wirtschaftspolitik der letzten Jahre John Mc Cain um den Wahlsieg bringen. Doch es bleibt abzuwarten wie viele Amerikaner dann doch allein in der Wahlkabine denken werden, dass ein schwarzer Präsident für sie nicht in Frage kommt, sodass unterschwelige rassistische Motive bei dieser Wahl den Ausschlag geben könnten.

Eine interessante Meldung dieser Woche war, dass der Wahlkampf von Barack Obama bisher mit 600 Millionen US-Dollar von Förderern finanziert wurde und allein im letzten Monat Förderer 150 Millionen US-Dollar gespendet haben. Ich frage mich, ob Obama sich aufgrund dieser enormen Finanzspritze nicht auch in Verpflichtungen und Abhängigkeiten gegenüber großen Spendern begibt, die von ihm im Gegenzug erwarten als möglicher zukünftiger Präsident ihren Interessen zuzuarbeiten. Somit wäre wieder einmal die These bestätigt, dass in diesem Land die Großkonzerne die eigentliche Macht in Händen halten und sich ihre Politiker erkaufen und sie wie Marionetten in ihrem Sinne tanzen zu lassen. Ich hoffe, dass ich mich in diesem Fall irre…

Naja, der Countdown läuft und ich bin sehr gespannt, ob Obama wirklich als erster schwarzer Präsident in die Geschichtsbücher der USA eingehen wird!

Jubiläumswochenende in Philadelphia

Oktober 29, 2008

Nun ist das größte geplante Event von meiner Organisation in diesem Jahr schon vorbei und ebenso das Wochenende in Philadelphia, wo die Hauptfeierlichkeiten des 40jährigen Jubiläums stattfanden.

Mit dem Zug bin ich Freitag morgens mit meinem Supervisor Reverand Robert Helms nach Phily aufgebrochen. Das Wochenende über hab ich bei dem Host eines Mitfreiwilligen übernachtet, der im Office von ARSP arbeitet. Mein Mitfreiwilliger Bastian wohnt im Stadtzentrum von Phily in einem netten Häuschen bei einem 50jährigen, sehr lustigen und sympathischen Künstler. Das Haus ist echt luxoriös ausgestattet (Heimkino, Dampfbad u Sauna im Haus etc.) und so hatte ich bei meiner Ankunft vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen in der Trinity Chruch erst einmal mit einem kleinen Kultur-Schock zu kämpfen ;-) Aber natürlich war der kurze Aufenthalt dort in den 2 Tagen echt angenehm…

Das Programm des Jubiläums war sehr dicht und reichhaltig, aber dafür auch interessant. Wie so oft waren aber die persönlichen Begegnungen und Gespräche mit verschiedenen Menschen das prägendste Moment für mich. Während der Jubiläumsveranstaltung hatte ich die Möglichkeit mich kurz mit dem deutschen Generlkonsul in New York Dr. Horst Freytag zu unterhalten. Er hat uns Freiwillige auch gleich mal zu einem Konzert im Deutschen Haus hier in Manhattan eingeladen und würde uns gern mal einen Einblick in seine Arbeit geben. Ebenso interessant war es, einer Rede von Thomas Oppermann, dem Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Oppermann war ebenfalls Freiwilliger von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und hat zwei Jahre in den USA verbracht. Damals hat er auch für die Gewerkschaft der Landarbeiter gearbeitet und für die Rechte der Arbeiter gekämpft, indem unter anderem Boykotts von Supermärkten durchgeführt wurden. Gerne hätte ich die Chance ergriffen und ihn kritisch gefragt, wie gut die SPD nach seiner Meinung heute noch für die Interessen der Arbeiter Partei ergreift…

Mein Reverand in Aktion ;-)

Mein Reverand in Aktion ;-)

Wichtig war für mich außerdem die Begegnung mit einem ehemaligen Freiwilligen von ASF der sich nun im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit im Umwelt-und Gesundheitsamt auf die Bekämpfung von Schimmelpilzen spezialisiert hat. Als er von meiner Wohnungssituation hörte hat er sich sofort bereit erklärt in die Kirche zu kommen. So werde ich in der nächsten Woche mal ein professionelles Urteil über die Lage in meiner Bude bekommen!

Neben dem offiziellen Program war es für mich schön die anderen Freiwilligen alle wieder zu sehen und wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen bei der Abschlussparty alle zusammen abzurocken.

Fotos vom Wochenende werde ich so schnell wie möglich hochladen!

40 jähriges Jubiläum von ARSP

Oktober 24, 2008

Seit gestern sind die Jubiläumsfeierlichkeiten des amerikanischen Pendants von ASF, genannt ARSP (= Action Reconciliation Service for Peace), eröffnet. 40 Jahre gibt es nun Projekte in den USA. 1968 hatte die USA damit zu kämpfen, den Rassismus im eigenen Land zu überwinden. Dr. Martin Luther King Jr. und Robert Kennedy sind in diesem Jahr ermordet worden. Aufstände brachen in den Ghettos amerikanischer Großstädte aus. Es war das Jahr in dem der Vietnamkrieg seinen Höhepunkt fand, aber ebenso die Proteste dagegen. Amerikanische Kirchengruppen überlegten sich deshalb, dass die Hilfe junger, hochmotivierter Freiwilliger sehr nützlich sei und so fragten die Friedenskirchen und die „United Church of Christ“ ASF, ob deutsche Freiwillige in die USA kommen wollten. Die Hoffnung war, dass Deutsche und Amerikaner sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen könnten. Wer mehr über die Anfangszeit von ASF hier in den USA wissen möchte, dem empfehle ich an dieser Stelle die Website von ASF in den USA: http://www.actionreconciliation.org

Gestern Abend war nun die erste Veranstaltung hier in New York, genauer im Jewish Community Center/Manhattan, wo es auch einen Freiwilligen von ASF gibt.

Thema der Veranstaltung war das 20. Jahrhundert im Blickwinkel von 3 persönlichen Familiengeschichten aus Russland, Deutschland und den USA. Irina Scherbakova, deren jüdische Familie während der Stalin-Era in der Sowjetunion lebte; Christian Staffa, der sowohl Nazis als auch jüdische Familienmitglieder hatte und Misha Avramoff aus New York, deren Familie aus Bulgarien nach dem II. WK nach New York kam, haben jeweils ihre Biografien vorgetragen.

Diese persönlichen Geschichten zu hören und sich anschließend mit diesen Einzelschicksalen auseinanderzusetzen war sehr interessant und ich bin schon gespannt, was mich dieses Wochenende in Philadelphia an Programm erwartet..

Meine Arbeit im Projekt

Oktober 19, 2008

Nun bin ich schon einen Monat hier in meinem Projekt und in Manhattan. Die Zeit vergeht für mich hier wie im Flug, weil man tagtäglich einfach wahnsinnig viele neue Eindrücke gewinnt und so viel erlebt.

Da ich bisher noch gar nicht über meine Arbeit hier in der Trinity Presbyterian Church berichtet habe ist es wohl höchste Zeit, dass ich dieses Versäumnis nachhole!

1. Homeless Shelter

Der Homeless Shelter (Obdachlosenunterkunft) ist bisher der regelmäßigste Arbeitsbereich, in den ich hier von Anfang an stark integriert wurde. Grund dafür ist besonders, dass seit diesem Sommer die Öffnungszeiten der Unterkunft von 2 Tagen die Woche (Montag&Dienstag) auf 5 Tage die Woche (Montag-Freitag) umgestellt wurden. Außerdem fand ein Personalwechsel statt. Die Person, die vorher für den Shelter zuständig war, arbeitet nun nicht mehr in der Kirche. Sein Nachfolger ist ein sehr netter ehemaliger Obdachloser namens George, mit dem ich mir nun die Arbeit in der Obdachlosenunterkunft aufteile. Somit nimmt dieser Arbeitsbereich einen viel größeren Teil meiner Arbeitszeit im Projekt in Anspruch, als ich im Vorfeld angenommen habe. George arbeitet Montag und Dienstag im Shelter und ich übernehme für die restlichen 3 Tage die Verantwortung. Der Arbeitsablauf sieht folgendermaßen aus:

Um 19:30h werden die Obdachlosen mit einem Bus hier in der Trinity Church abgesetzt, nachdem sie vorher in einer anderen Kirche bereits zu Abend gegessen haben. Trotzdem sind viele der Obdachlosen noch hungrig und freuen sich auf eine weitere warme Mahlzeit im Shelter. Meistens kochen George und ich etwas für die Obdachlosen, aber manchmal möchten sie sich auch gerne selber etwas zu Essen machen. Maximal 6 Männer können im Shelter untergebracht werden. Frauen kommen nicht hierher. Es gibt andere Obdachlosenunterkünfte in der Stadt, die dafür ausschließlich Frauen aufnehmen.

Ich bleibe meistens noch eine halbe Stunde im Shelter und unterhalte mich mit den Obdachlosen, bevor diese dann auch früh schlafen gehen. Viele sind abends von dem harten Leben auf New York´s Straßen sehr erschöpft. Zudem werden die Obdachlosen am nächsten Morgen schon um 5:30h mit dem Bus abgeholt und wieder zu der anderen Kirche gefahren, wo sie ein Frühstück bekommen – das heißt, jedoch nicht, dass viele von ihnen nicht gern trotzdem schon etwas essen, bevor der Bus kommt.

Wenn die Obdachlosen aufstehen muss ich jedoch zum Glück nicht im Shelter anwesend sein. Es gibt jedoch danach auch genug andere Arbeit zu erledigen: Putzen, Wäsche wechseln, Essen zubereiten etc.

Auch wenn die Reinigung der Unterkunft viel Zeit kostet, gefällt mir dieser Teil meiner Arbeit ganz gut, da sich die Obdachlosen oft dankbar zeigen und die Begegnungen&Lebensgeschichten der Menschen auch spannend sind.

2. Friendly Visiting

Leider habe ich bisher noch nicht viele Besuche bei älteren Menschen gemacht, aber alle meine bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv und erfüllend. Die Menschen sind sehr herzlich und unglaublich dankbar dafür, dass junge Menschen aus Deutschland ihnen Gesellschaft leisten und den Lebensalltag erleichtern, indem man zusammen einkaufen geht oder den Doktor besucht. Dieser Arbeitsbereich wird aber in Zukunft zusammen mit dem Homeless Shelter den Hauptteil meiner Arbeit unter der Woche bilden.

3. Programm für Kinder & Jugendliche

Der Arbeitsbereich auf den ich mich hier im Projekt am meisten gefreut habe ist leider noch am wenigsten etabliert. Bisher waren nicht mehr als 2 Kinder pro Woche am Samstag anwesend. Christopher, ein 15jähriger hyperaktiver Jugendlicher, hält mir bisher aber tapfer die Treue und auch wenn es anstrengend ist, macht es Spaß mit Chris Zeit zu verbringen. Da das Wetter bisher sehr gut war, sind wir jedes Mal in den Central Park gegangen. Aber auch ein Besuch im Kindertheater war bereits schon Teil des Programms. In zwei Wochen ist Halloween und ich werde eine kleine Party für die Kids veranstalten. Hoffentlich werden danach mehr Kinder am Programm teilnehmen…

4. Senior Club

Jeden Samstagabend findet ein Senior Club in der Kirche statt, an dem es meine Aufgabe ist die kleine Gesellschaft zu verköstigen. Allerdings bin ich auf die Essensvorräte des Homeless Shelters beschränkt und so muss ich jede Woche mit den Gegebenheiten improvisieren. Aber immerhin stand bisher schon einmal Pasta mit Thunfischsoße auf dem Speiseplan ;-) Bisher sind die Besucher mit meinen beschränkten Kochkünsten zufrieden gewesen. Ich hoffe, dass das auch so bleibt…

5. Gottesdienst

Der Gottesdienst am Sonntagmorgen war bisher immer ein schönes Erlebnis. Menschen aus verschiedenen Erdteilen kommen hier zusammen und die kleine Gemeinde geht ganz unkonventionell ihrem Glauben nach. Einmal im Monat leiste ich einen kulturellen Beitrag und spiele ein Stück auf der Geige vor, was die Kirchengemeinde bisher ausgesprochen erfreut und mir Sympathiepunkte einbringt. Nach dem Gottesdienst bleiben die Gemeindemitglieder in der Regel noch ein wenig zusammen und unterhalten sich bei Kaffee & Donuts.

An der Arbeit gefällt mir sehr, dass ich wirklich mit Leuten zu tun habe, die Hilfe benötigen, da sie überwiegend sehr arm sind, häufig Außenseiter der Gesellschaft darstellen und wenig sonstige Unterstützung erfahren. Es ist schön zu erleben, wie herzlich ich von einigen Menschen hier aufgenommen werde.

Auf der anderen Seite ist es schon hart mit dem krassen Gegensatz zwischen arm&reich hier in der Stadt fertig zu werden. Lerne ich in meiner Freizeit Studenten von der Columbia University hier in New York kennen, deren Eltern tausende von Dollar für die Ausbildung ihrer Kinder bezahlen und somit große Möglichkeiten und Chancen ermöglichen können, werde ich auf der Arbeit mit Kindern konfrontiert, denen kaum eine Perspektive in dieser Gesellschaft hier in den USA geboten wird.

Diese Perspektivlosigkeit durchdringt auch immer mehr die Arbeit hier im Projekt. Reverend Helm leidet an Krebs und ist nun 72 Jahre alt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass nach dem Verscheiden des Pastors die Kirche wohl nicht mehr weiter existieren wird und Investoren nur darauf warten an Stelle einer Kirche für Arme ein profitables Geschäft zu errichten. Schließlich befinden wir uns in Midtown Manhattan, eine der teuersten Wohngegenden der Welt…

Mein Reverand

Der Reverand mit kritischem Blick

Umso wichtiger ist es jedoch für die Gemeinde hier, dass besonders junge Menschen integriert werden. Deshalb merke ich, wie gerade die älteren Mitglieder der Kirche sehr froh darüber sind, jedes Jahr einen neuen Freiwilligen von ASF begrüßen zu können.