Archiv für die Kategorie ‘New York, New York’

In Zeiten der Finanzkrise…

Januar 30, 2009

Nun hat die Finanzkrise hier in den USA solche Ausmaße angenommen, dass auch ASF-Projekte den finanziellen Druck deutlich zu spüren bekommen und Konsequenzen ziehen.

In einem Altenheim hier in Manhattan wird eine Sekretärin entlassen und kein Ersatzpersonal eingestellt – simple Kostenreduzierung. Die junge Frau sei nach Aussage der ASF-Freiwilligen, die in diesem Heim arbeitet, bei der Belegschaft sehr beliebt und es sei ein Schock, dass sie nun entlassen wird. In Zukunft soll nun die Freiwillige bestimmte Arbeitsbereiche der Sekretärin mitübernehmen, was zur Folge hat, dass weniger Zeit für die Betreuung der älteren Menschen bleibt. Im Gespräch schilderte mir die Freiwillige, dass sie sich total schlecht fühle, weil sie sich vorkomme, als habe sie der Frau den Arbeitsplatz weggenommen. Obwohl die Verantwortung für die Kündigung natürlich nicht in ihren Händen liegt, ist es ein sehr unangenehmes Gefühl, wenn man als Hilfskraft in ein Projekt kommt und dann erleben muss, wie eine Mitarbeiterin, mit der man nun fast 5 Monate gut zusammen gearbeitet hat, auf die Straße gesetzt wird und man selbst noch die Arbeitskraft ersetzen soll.

Auch in dem New Amsterdam Symphony Orchestra, in dem ich seit Dezember mitspiele, schildern mir viele Menschen, dass sie ernsthaft um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen und wie die Stimmung unter der Belegschaft dadurch belastet wird. Allein in dieser Woche verkündeten amerikanische Konzerne, dass 65 000 Jobs gekürzt werden sollen – eine erschreckende Zahl!

Gleichzeitig erlauben sich Wall-Street Banker in diesem Jahr einen Bonus in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar. Natürlich ist die Empörung der Bevölkerung entsprechend groß. Der neue Präsident hat heute diesen Bonus in den Medien öffentlich angeprangert und unternimmt seit seinem Amtsantritt schnelle Schritte, um die Wirtschaft wieder zu stabilisieren. Ich bin gespannt, ob seine Politik erfolgreich sein wird…

HAPPY NEW YEAR!!!

Dezember 31, 2008

Liebe LeserInnen,

nun steht schon der Jahreswechsel vor der Tür.

Ich  hoffe Ihr hattet eine schöne und friedliche Weihnachtszeit!

Mit besten Wünschen und ganz herzlichem Dank für Eure tolle Unterstützung verbleibe ich für das neue Jahr 2009!!! Habt einen guten Rutsch und lasst es krachen!!!

Sende Weihnachtsgrüße vom Rockefeller Center!

Beste Grüße vom Rockefeller Center!

Die ersten Tage in New York und im Projekt

Oktober 11, 2008

Am nächsten Morgen habe ich erst richtig realisiert, dass meine Unterbringung in der Kirche in diesem Zustand keinesfalls zumutbar ist und erste Schritte unternommen um meine Wohnsituation zu verbessern.

Als Erstes bin ich losgezogen, habe Putzmaterialien besorgt und angefangen die Räume zu säubern, was ich jedoch nach ein paar Stunden aufgab und mich mit den anderen Freiwilligen traf. Als ich meinen Mitfreiwilligen schilderte, wie schlecht es um meine Wohnung bestellt war, haben wir zusammen eine Besichtigung bei mir gemacht und beschlossen, dass ich übergangsweise auf jedenfall woanders untergebracht werden muss. So schafften wir zusammen meine Sachen in eine WG von Mitfreiwilligen, die sehr großräumig ist und am Times Square 10min. zu Fuß von der Kirche entfernt liegt. Natürlich habe ich mit meinem Länderbeauftragten in Phily telefoniert und ihm meine Situation geschildert.

Mein Länderbeauftragter entschloss sich, die Wohnungssituation in der Kirche selbst in Augenschein zu nehmen und danach zu entscheiden, ob die Wohnung überhaupt noch Perspektive hat, oder ob eine neue Unterkunft gesucht werden muss. An dieser Stelle muss jedoch schon erwähnt werden, dass der Reverand auf meinen Auszug aus der Wohnung relativ beleidigt reagierte und mir mitteilte, es sei Teil des Projekts die „einfachen“ Lebensverhältnisse mit der Kirchengemeinde zu teilen. Er hätte deshalb gern, dass ich in Zukunft wieder im Projekt wohnen würde und es würde kein Geld für eine andere Unterbringung zur Verfügung stehen.

Nun ja, einfache Lebensverhältnisse sind eine Sache, unwürdige Lebensverhältnisse dagegen eine andere! Deswegen habe ich der Bitte meines Reverands nicht Folge geleistet und wohne bis zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht in der Kirche, sondern noch in der WG, wo ich sehr willkommen bin und tolle Unterstützung erfahre!

Julian mit stylischer Kopfbedeckung bei der Arbeit

Julian mit stylischer Kopfbedeckung bei der Arbeit

Als meine Länderbeauftragte sich die Wohnung in der Kirche anschaute hat sie sehr viel Verständnis für meine Situation gezeigt, aber mir auch signalisiert, das sowohl ASF, als auch mein Projekt kein Geld hätten mir eine andere Unterkunft zu besorgen und mich gebeten, doch zu probieren die Wohnung mit Hilfe meiner Mitfreiwilligen soweit es geht zu renovieren und bewohnbar zu machen. Andernfalls müsste ich wohl das Projekt wechseln oder meinen Dienst in den USA mit ASF ganz abbrechen. Da diese Alternativen mich keineswegs begeistern habe ich mich letztendlich darauf eingelassen, die Wohnung in der Kirche nicht aufzugeben, sondern zu versuchen mit Eigeninitiative und viel Unterstützung die Bude wieder einigermaßen herzurichten.

3 Wochenenden hinter einander habe ich bisher mit meinen Mitfreiwilligen zusammen in der Kirche geputzt und renoviert. Ich kann nicht oft genug betonen, wie dankbar ich den anderen Freiwilligen hier in NYC für ihre Hilfe bin!!!

Nick beim Streichen

Nick beim Streichen

Bis zum heutigen Zeitpunkt sind immer noch viele Dinge nicht gelöst, aber die Wohnung sieht schon sehr viel besser aus als vorher und ich werde versuchen demnächst Fotos hochzuladen, damit Ihr einen besseren Eindruck bekommen könnt!

Mein frisch renoviertes Zimmer

Mein frisch renoviertes Zimmer

Mein Bett mit neuer Matratze (keine Bettwanzen!)

Mein Bett mit neuer Matratze (keine Bettwanzen!)

Mein Toilette mit neuem Deckel in frisch renoviertem Badezimmer

Mein Toilette mit neuem Deckel in frisch renoviertem Badezimmer

Die Arbeit im Projekt erweist sich schon als eine große Herausforderung, die eine hohe Frustrationstoleranz benötigt, aber auch schöne Momente offenbart.

Doch mehr dazu findet ihr in meinem nächsten Artikel…

Ankunft in New York City

Oktober 11, 2008

Nach eineinhalb Stunden fahrt mit dem Bus kamen wir Nachmittags in NYC an und wurden von der Bushaltestelle von unseren Projektbetreuern abgeholt.

Mein Betreuer Reverand Robert Helm fuhr mit mir im Taxi zur Trinity Presbyterian Church und nach einem Smalltalk wurde ich direkt ins kalte Wasser geworfen: Ich sollte eine ältere, sehr sympathische Dame besuchen, die unter Multiple Sklerose leidet und im Rollstuhl sitzt. Ich wurde sehr herzlich von ihr empfangen und wir führten eine lange Unterhaltung in der sie mir gegenüber schon sehr offen ihre Lebensgeschichte erzählte. Inzwischen ist der wöchentliche Besuch bei dieser Dame ein fester Bestandteil meiner Arbeit hier im Projekt geworden, der mir am meisten Spaß macht, weil die Frau sehr dankbar für meine Hilfe ist und ich dadurch auch eine gewisse Befriedigung durch meine Arbeit erfahre.

Als ich zwei Stunden später wieder in der Trinity Presbyterian Church ankam (die Dame wohnt direkt gegenüber von der Kirche) zeigte mir der Reverand meine Unterbringung im obersten Stock (5th floor) des Gemeindehauses. Nachdem der Reverand mit Hilfe eines Nachbarn das Licht in meinem Zimmer anschalten konnte, weil die Elektrizität größtenteils nicht funktionstüchtig ist, wurde ich mit einer Wohnsituation konfrontiert, die bei mir erst einmal mein ganz persönliches Trauma dieses Auslandsjahres auslöste.

Mein Zimmer mit netter Nachricht des Vorgängers

Mein Zimmer mit netter Nachricht des Vorgängers

Hier eine Liste der Dinge, die ich in meiner Drecksbude vorgefunden habe:

- kaputte Elektrizität und offene Stromleitungen
- Schimmel auf dem Teppich in meinem Zimmer und im Bad an Seifenspender und Boden
- Löcher in den Wänden
- kein warmes Wasser
- kaputte Amaturen im Bad
- total verdreckte Räume
- eine Maus in der Küche
- Löcher in einem Rohr im Bad und in der Decke im Treppenhaus (wenn es regnet, läuft Wasser ins Bad und ins Treppenhaus)
- Wasser fließt im Waschbecken nicht richtig ab und wenn ich Wasser in der Küche laufen lasse, dann regnet es im dritten Stock von der Decke in den homeless shelter (Obdachlosenunterkunft)
- 2 Gasöfen in der Küche, die den Eingang in die Küche versperren und eigtl. auf den Sperrmüll gehören
- das mir versprochene Gästezimmer wurde zur Rumpelkammer umfunktioniert

Küche

Küche

Nach diesem Schockerlebnis habe ich zunächst die Flucht angetreten und bin zum Times Square maschiert um mich abzulenken. Danach bin ich nur noch aufs Bett gefallen (mein Bett unterscheidet sich nicht von denen aus dem Homeless Shelter) und total erschöpft eingeschlafen…

Toilette

Toilette

Waschbecken im Bad

Waschbecken im Bad (man beachte den verschimmelten Seifenspender rechts)

Countdown läuft: Nur noch 2 Wochen…

August 18, 2008

So, nun ist die Zeit nich mehr lang bis es los geht und entsprechend steigt auch die Aufregung!

Ich bin sehr gespannt, was mich genau erwartet und wie ich mich im pulsierenden Leben von Manhatten auf Dauer zurecht finden werde. Ich freue mich schon sehr darauf endlich loszulegen! Immerhin liegt meine Bewerbung bei ASF nun fast ein Jahr (Oktober 2007) zurück – fast so lang wie mein eigentlicher Dienst.

Neben der Vorfreude begleitet mich aber auch die Nervosität: Wie werde ich damit zurecht kommen, ein Jahr von Freunden und Familie getrennt zu sein? Wie schnell, werde ich mich in der neuen Umgebung einleben?

Doch jetzt genieße ich erstmal noch die letzten 2 Wochen in Düsseldorf und freue mich auf ein unvergessliches Jahr!

Hannes