Ein großes Thema in dieser Zeit hier in den USA ist natürlich die Politik. Schließlich hat das Land mit der größten Finanzkrise seit der „Great Depression“ zu kämpfen und zudem stehen am 4. November die Präsidentschaftswahlen vor der Tür. Es ist äußerst interessant und spannend vor Ort mitzuerleben wie die politische Umwälzung dieses Land beeinflusst.
Zum ersten Mal in der Geschichte der USA regiert in Zukunft womöglich ein Afroamerikaner die USA. Es ist beeindruckend wie emotional geladen die amerikanischen Bevölkerung auf die kommende Wahl reagiert. Hier in New York sind Barack Obama Anhänger stark dominierend und Menschen stecken sehr viel Hoffnung in den gebildeten und jungen Präsidentschaftskandidaten. Man hat das Gefühl die Präsidentschaftswahl hält das ganze Land in Atem und es scheint als führe jedes Gespräch mit Amerikanern über kurz oder lang zur Politik. Uns Freiwilligen wurde noch auf dem Orientierungsseminar in Philadelphia erzählt, dass man das Thema Politik lieber galant ausspart, weil Amerikaner sehr emotional reagieren könnten und man Gefahr laufe sich Sympathien zu verscherzen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen hier ist es aber unmöglich in dieser Zeit nicht über Politik und die kommende Wahl zu sprechen. Menschen haben meiner Meinung nach hier großes Interesse daran sich auszutauschen, zu erfahren ob der Freund, Nachbar oder die Frau hinter der Kasse im Supermarkt eher ein Anhänger Obama´s oder Mc Cain´s ist. Mir selbst ist es schon öfters passiert, dass ich Small-talk mit Leuten beim Sport oder sonst wo gehalten habe und ich nach ein paar Sätzen gefragt wurde, welchen Kandidaten ich denn wählen würde. Außerdem sind viele Amerikaner sehr daran interessiert zu erfahren, wie die Stimmung zur amerikanischen Präsidentschaftswahl in Europa aussieht.
Die Finanzkrise war besonders für den Wahlkampf der Republikaner nicht gerade förderlich und es scheint, als könnte die verfehlte Wirtschaftspolitik der letzten Jahre John Mc Cain um den Wahlsieg bringen. Doch es bleibt abzuwarten wie viele Amerikaner dann doch allein in der Wahlkabine denken werden, dass ein schwarzer Präsident für sie nicht in Frage kommt, sodass unterschwelige rassistische Motive bei dieser Wahl den Ausschlag geben könnten.
Eine interessante Meldung dieser Woche war, dass der Wahlkampf von Barack Obama bisher mit 600 Millionen US-Dollar von Förderern finanziert wurde und allein im letzten Monat Förderer 150 Millionen US-Dollar gespendet haben. Ich frage mich, ob Obama sich aufgrund dieser enormen Finanzspritze nicht auch in Verpflichtungen und Abhängigkeiten gegenüber großen Spendern begibt, die von ihm im Gegenzug erwarten als möglicher zukünftiger Präsident ihren Interessen zuzuarbeiten. Somit wäre wieder einmal die These bestätigt, dass in diesem Land die Großkonzerne die eigentliche Macht in Händen halten und sich ihre Politiker erkaufen und sie wie Marionetten in ihrem Sinne tanzen zu lassen. Ich hoffe, dass ich mich in diesem Fall irre…
Naja, der Countdown läuft und ich bin sehr gespannt, ob Obama wirklich als erster schwarzer Präsident in die Geschichtsbücher der USA eingehen wird!