Archiv für Oktober 2008

Let´s talk about Politics!

Oktober 29, 2008

Ein großes Thema in dieser Zeit hier in den USA ist natürlich die Politik. Schließlich hat das Land mit der größten Finanzkrise seit der „Great Depression“ zu kämpfen und zudem stehen am 4. November die Präsidentschaftswahlen vor der Tür. Es ist äußerst interessant und spannend vor Ort mitzuerleben wie die politische Umwälzung dieses Land beeinflusst.

Zum ersten Mal in der Geschichte der USA regiert in Zukunft womöglich ein Afroamerikaner die USA. Es ist beeindruckend wie emotional geladen die amerikanischen Bevölkerung auf die kommende Wahl reagiert. Hier in New York sind Barack Obama Anhänger stark dominierend und Menschen stecken sehr viel Hoffnung in den gebildeten und jungen Präsidentschaftskandidaten. Man hat das Gefühl die Präsidentschaftswahl hält das ganze Land in Atem und es scheint als führe jedes Gespräch mit Amerikanern über kurz oder lang zur Politik. Uns Freiwilligen wurde noch auf dem Orientierungsseminar in Philadelphia erzählt, dass man das Thema Politik lieber galant ausspart, weil Amerikaner sehr emotional reagieren könnten und man Gefahr laufe sich Sympathien zu verscherzen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen hier ist es aber unmöglich in dieser Zeit nicht über Politik und die kommende Wahl zu sprechen. Menschen haben meiner Meinung nach hier großes Interesse daran sich auszutauschen, zu erfahren ob der Freund, Nachbar oder die Frau hinter der Kasse im Supermarkt eher ein Anhänger Obama´s oder Mc Cain´s ist. Mir selbst ist es schon öfters passiert, dass ich Small-talk mit Leuten beim Sport oder sonst wo gehalten habe und ich nach ein paar Sätzen gefragt wurde, welchen Kandidaten ich denn wählen würde. Außerdem sind viele Amerikaner sehr daran interessiert zu erfahren, wie die Stimmung zur amerikanischen Präsidentschaftswahl in Europa aussieht.

Die Finanzkrise war besonders für den Wahlkampf der Republikaner nicht gerade förderlich und es scheint, als könnte die verfehlte Wirtschaftspolitik der letzten Jahre John Mc Cain um den Wahlsieg bringen. Doch es bleibt abzuwarten wie viele Amerikaner dann doch allein in der Wahlkabine denken werden, dass ein schwarzer Präsident für sie nicht in Frage kommt, sodass unterschwelige rassistische Motive bei dieser Wahl den Ausschlag geben könnten.

Eine interessante Meldung dieser Woche war, dass der Wahlkampf von Barack Obama bisher mit 600 Millionen US-Dollar von Förderern finanziert wurde und allein im letzten Monat Förderer 150 Millionen US-Dollar gespendet haben. Ich frage mich, ob Obama sich aufgrund dieser enormen Finanzspritze nicht auch in Verpflichtungen und Abhängigkeiten gegenüber großen Spendern begibt, die von ihm im Gegenzug erwarten als möglicher zukünftiger Präsident ihren Interessen zuzuarbeiten. Somit wäre wieder einmal die These bestätigt, dass in diesem Land die Großkonzerne die eigentliche Macht in Händen halten und sich ihre Politiker erkaufen und sie wie Marionetten in ihrem Sinne tanzen zu lassen. Ich hoffe, dass ich mich in diesem Fall irre…

Naja, der Countdown läuft und ich bin sehr gespannt, ob Obama wirklich als erster schwarzer Präsident in die Geschichtsbücher der USA eingehen wird!

Jubiläumswochenende in Philadelphia

Oktober 29, 2008

Nun ist das größte geplante Event von meiner Organisation in diesem Jahr schon vorbei und ebenso das Wochenende in Philadelphia, wo die Hauptfeierlichkeiten des 40jährigen Jubiläums stattfanden.

Mit dem Zug bin ich Freitag morgens mit meinem Supervisor Reverand Robert Helms nach Phily aufgebrochen. Das Wochenende über hab ich bei dem Host eines Mitfreiwilligen übernachtet, der im Office von ARSP arbeitet. Mein Mitfreiwilliger Bastian wohnt im Stadtzentrum von Phily in einem netten Häuschen bei einem 50jährigen, sehr lustigen und sympathischen Künstler. Das Haus ist echt luxoriös ausgestattet (Heimkino, Dampfbad u Sauna im Haus etc.) und so hatte ich bei meiner Ankunft vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen in der Trinity Chruch erst einmal mit einem kleinen Kultur-Schock zu kämpfen ;-) Aber natürlich war der kurze Aufenthalt dort in den 2 Tagen echt angenehm…

Das Programm des Jubiläums war sehr dicht und reichhaltig, aber dafür auch interessant. Wie so oft waren aber die persönlichen Begegnungen und Gespräche mit verschiedenen Menschen das prägendste Moment für mich. Während der Jubiläumsveranstaltung hatte ich die Möglichkeit mich kurz mit dem deutschen Generlkonsul in New York Dr. Horst Freytag zu unterhalten. Er hat uns Freiwillige auch gleich mal zu einem Konzert im Deutschen Haus hier in Manhattan eingeladen und würde uns gern mal einen Einblick in seine Arbeit geben. Ebenso interessant war es, einer Rede von Thomas Oppermann, dem Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Oppermann war ebenfalls Freiwilliger von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und hat zwei Jahre in den USA verbracht. Damals hat er auch für die Gewerkschaft der Landarbeiter gearbeitet und für die Rechte der Arbeiter gekämpft, indem unter anderem Boykotts von Supermärkten durchgeführt wurden. Gerne hätte ich die Chance ergriffen und ihn kritisch gefragt, wie gut die SPD nach seiner Meinung heute noch für die Interessen der Arbeiter Partei ergreift…

Mein Reverand in Aktion ;-)

Mein Reverand in Aktion ;-)

Wichtig war für mich außerdem die Begegnung mit einem ehemaligen Freiwilligen von ASF der sich nun im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit im Umwelt-und Gesundheitsamt auf die Bekämpfung von Schimmelpilzen spezialisiert hat. Als er von meiner Wohnungssituation hörte hat er sich sofort bereit erklärt in die Kirche zu kommen. So werde ich in der nächsten Woche mal ein professionelles Urteil über die Lage in meiner Bude bekommen!

Neben dem offiziellen Program war es für mich schön die anderen Freiwilligen alle wieder zu sehen und wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen bei der Abschlussparty alle zusammen abzurocken.

Fotos vom Wochenende werde ich so schnell wie möglich hochladen!

40 jähriges Jubiläum von ARSP

Oktober 24, 2008

Seit gestern sind die Jubiläumsfeierlichkeiten des amerikanischen Pendants von ASF, genannt ARSP (= Action Reconciliation Service for Peace), eröffnet. 40 Jahre gibt es nun Projekte in den USA. 1968 hatte die USA damit zu kämpfen, den Rassismus im eigenen Land zu überwinden. Dr. Martin Luther King Jr. und Robert Kennedy sind in diesem Jahr ermordet worden. Aufstände brachen in den Ghettos amerikanischer Großstädte aus. Es war das Jahr in dem der Vietnamkrieg seinen Höhepunkt fand, aber ebenso die Proteste dagegen. Amerikanische Kirchengruppen überlegten sich deshalb, dass die Hilfe junger, hochmotivierter Freiwilliger sehr nützlich sei und so fragten die Friedenskirchen und die „United Church of Christ“ ASF, ob deutsche Freiwillige in die USA kommen wollten. Die Hoffnung war, dass Deutsche und Amerikaner sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen könnten. Wer mehr über die Anfangszeit von ASF hier in den USA wissen möchte, dem empfehle ich an dieser Stelle die Website von ASF in den USA: http://www.actionreconciliation.org

Gestern Abend war nun die erste Veranstaltung hier in New York, genauer im Jewish Community Center/Manhattan, wo es auch einen Freiwilligen von ASF gibt.

Thema der Veranstaltung war das 20. Jahrhundert im Blickwinkel von 3 persönlichen Familiengeschichten aus Russland, Deutschland und den USA. Irina Scherbakova, deren jüdische Familie während der Stalin-Era in der Sowjetunion lebte; Christian Staffa, der sowohl Nazis als auch jüdische Familienmitglieder hatte und Misha Avramoff aus New York, deren Familie aus Bulgarien nach dem II. WK nach New York kam, haben jeweils ihre Biografien vorgetragen.

Diese persönlichen Geschichten zu hören und sich anschließend mit diesen Einzelschicksalen auseinanderzusetzen war sehr interessant und ich bin schon gespannt, was mich dieses Wochenende in Philadelphia an Programm erwartet..

Meine Arbeit im Projekt

Oktober 19, 2008

Nun bin ich schon einen Monat hier in meinem Projekt und in Manhattan. Die Zeit vergeht für mich hier wie im Flug, weil man tagtäglich einfach wahnsinnig viele neue Eindrücke gewinnt und so viel erlebt.

Da ich bisher noch gar nicht über meine Arbeit hier in der Trinity Presbyterian Church berichtet habe ist es wohl höchste Zeit, dass ich dieses Versäumnis nachhole!

1. Homeless Shelter

Der Homeless Shelter (Obdachlosenunterkunft) ist bisher der regelmäßigste Arbeitsbereich, in den ich hier von Anfang an stark integriert wurde. Grund dafür ist besonders, dass seit diesem Sommer die Öffnungszeiten der Unterkunft von 2 Tagen die Woche (Montag&Dienstag) auf 5 Tage die Woche (Montag-Freitag) umgestellt wurden. Außerdem fand ein Personalwechsel statt. Die Person, die vorher für den Shelter zuständig war, arbeitet nun nicht mehr in der Kirche. Sein Nachfolger ist ein sehr netter ehemaliger Obdachloser namens George, mit dem ich mir nun die Arbeit in der Obdachlosenunterkunft aufteile. Somit nimmt dieser Arbeitsbereich einen viel größeren Teil meiner Arbeitszeit im Projekt in Anspruch, als ich im Vorfeld angenommen habe. George arbeitet Montag und Dienstag im Shelter und ich übernehme für die restlichen 3 Tage die Verantwortung. Der Arbeitsablauf sieht folgendermaßen aus:

Um 19:30h werden die Obdachlosen mit einem Bus hier in der Trinity Church abgesetzt, nachdem sie vorher in einer anderen Kirche bereits zu Abend gegessen haben. Trotzdem sind viele der Obdachlosen noch hungrig und freuen sich auf eine weitere warme Mahlzeit im Shelter. Meistens kochen George und ich etwas für die Obdachlosen, aber manchmal möchten sie sich auch gerne selber etwas zu Essen machen. Maximal 6 Männer können im Shelter untergebracht werden. Frauen kommen nicht hierher. Es gibt andere Obdachlosenunterkünfte in der Stadt, die dafür ausschließlich Frauen aufnehmen.

Ich bleibe meistens noch eine halbe Stunde im Shelter und unterhalte mich mit den Obdachlosen, bevor diese dann auch früh schlafen gehen. Viele sind abends von dem harten Leben auf New York´s Straßen sehr erschöpft. Zudem werden die Obdachlosen am nächsten Morgen schon um 5:30h mit dem Bus abgeholt und wieder zu der anderen Kirche gefahren, wo sie ein Frühstück bekommen – das heißt, jedoch nicht, dass viele von ihnen nicht gern trotzdem schon etwas essen, bevor der Bus kommt.

Wenn die Obdachlosen aufstehen muss ich jedoch zum Glück nicht im Shelter anwesend sein. Es gibt jedoch danach auch genug andere Arbeit zu erledigen: Putzen, Wäsche wechseln, Essen zubereiten etc.

Auch wenn die Reinigung der Unterkunft viel Zeit kostet, gefällt mir dieser Teil meiner Arbeit ganz gut, da sich die Obdachlosen oft dankbar zeigen und die Begegnungen&Lebensgeschichten der Menschen auch spannend sind.

2. Friendly Visiting

Leider habe ich bisher noch nicht viele Besuche bei älteren Menschen gemacht, aber alle meine bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv und erfüllend. Die Menschen sind sehr herzlich und unglaublich dankbar dafür, dass junge Menschen aus Deutschland ihnen Gesellschaft leisten und den Lebensalltag erleichtern, indem man zusammen einkaufen geht oder den Doktor besucht. Dieser Arbeitsbereich wird aber in Zukunft zusammen mit dem Homeless Shelter den Hauptteil meiner Arbeit unter der Woche bilden.

3. Programm für Kinder & Jugendliche

Der Arbeitsbereich auf den ich mich hier im Projekt am meisten gefreut habe ist leider noch am wenigsten etabliert. Bisher waren nicht mehr als 2 Kinder pro Woche am Samstag anwesend. Christopher, ein 15jähriger hyperaktiver Jugendlicher, hält mir bisher aber tapfer die Treue und auch wenn es anstrengend ist, macht es Spaß mit Chris Zeit zu verbringen. Da das Wetter bisher sehr gut war, sind wir jedes Mal in den Central Park gegangen. Aber auch ein Besuch im Kindertheater war bereits schon Teil des Programms. In zwei Wochen ist Halloween und ich werde eine kleine Party für die Kids veranstalten. Hoffentlich werden danach mehr Kinder am Programm teilnehmen…

4. Senior Club

Jeden Samstagabend findet ein Senior Club in der Kirche statt, an dem es meine Aufgabe ist die kleine Gesellschaft zu verköstigen. Allerdings bin ich auf die Essensvorräte des Homeless Shelters beschränkt und so muss ich jede Woche mit den Gegebenheiten improvisieren. Aber immerhin stand bisher schon einmal Pasta mit Thunfischsoße auf dem Speiseplan ;-) Bisher sind die Besucher mit meinen beschränkten Kochkünsten zufrieden gewesen. Ich hoffe, dass das auch so bleibt…

5. Gottesdienst

Der Gottesdienst am Sonntagmorgen war bisher immer ein schönes Erlebnis. Menschen aus verschiedenen Erdteilen kommen hier zusammen und die kleine Gemeinde geht ganz unkonventionell ihrem Glauben nach. Einmal im Monat leiste ich einen kulturellen Beitrag und spiele ein Stück auf der Geige vor, was die Kirchengemeinde bisher ausgesprochen erfreut und mir Sympathiepunkte einbringt. Nach dem Gottesdienst bleiben die Gemeindemitglieder in der Regel noch ein wenig zusammen und unterhalten sich bei Kaffee & Donuts.

An der Arbeit gefällt mir sehr, dass ich wirklich mit Leuten zu tun habe, die Hilfe benötigen, da sie überwiegend sehr arm sind, häufig Außenseiter der Gesellschaft darstellen und wenig sonstige Unterstützung erfahren. Es ist schön zu erleben, wie herzlich ich von einigen Menschen hier aufgenommen werde.

Auf der anderen Seite ist es schon hart mit dem krassen Gegensatz zwischen arm&reich hier in der Stadt fertig zu werden. Lerne ich in meiner Freizeit Studenten von der Columbia University hier in New York kennen, deren Eltern tausende von Dollar für die Ausbildung ihrer Kinder bezahlen und somit große Möglichkeiten und Chancen ermöglichen können, werde ich auf der Arbeit mit Kindern konfrontiert, denen kaum eine Perspektive in dieser Gesellschaft hier in den USA geboten wird.

Diese Perspektivlosigkeit durchdringt auch immer mehr die Arbeit hier im Projekt. Reverend Helm leidet an Krebs und ist nun 72 Jahre alt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass nach dem Verscheiden des Pastors die Kirche wohl nicht mehr weiter existieren wird und Investoren nur darauf warten an Stelle einer Kirche für Arme ein profitables Geschäft zu errichten. Schließlich befinden wir uns in Midtown Manhattan, eine der teuersten Wohngegenden der Welt…

Mein Reverand

Der Reverand mit kritischem Blick

Umso wichtiger ist es jedoch für die Gemeinde hier, dass besonders junge Menschen integriert werden. Deshalb merke ich, wie gerade die älteren Mitglieder der Kirche sehr froh darüber sind, jedes Jahr einen neuen Freiwilligen von ASF begrüßen zu können.

Die ersten Tage in New York und im Projekt

Oktober 11, 2008

Am nächsten Morgen habe ich erst richtig realisiert, dass meine Unterbringung in der Kirche in diesem Zustand keinesfalls zumutbar ist und erste Schritte unternommen um meine Wohnsituation zu verbessern.

Als Erstes bin ich losgezogen, habe Putzmaterialien besorgt und angefangen die Räume zu säubern, was ich jedoch nach ein paar Stunden aufgab und mich mit den anderen Freiwilligen traf. Als ich meinen Mitfreiwilligen schilderte, wie schlecht es um meine Wohnung bestellt war, haben wir zusammen eine Besichtigung bei mir gemacht und beschlossen, dass ich übergangsweise auf jedenfall woanders untergebracht werden muss. So schafften wir zusammen meine Sachen in eine WG von Mitfreiwilligen, die sehr großräumig ist und am Times Square 10min. zu Fuß von der Kirche entfernt liegt. Natürlich habe ich mit meinem Länderbeauftragten in Phily telefoniert und ihm meine Situation geschildert.

Mein Länderbeauftragter entschloss sich, die Wohnungssituation in der Kirche selbst in Augenschein zu nehmen und danach zu entscheiden, ob die Wohnung überhaupt noch Perspektive hat, oder ob eine neue Unterkunft gesucht werden muss. An dieser Stelle muss jedoch schon erwähnt werden, dass der Reverand auf meinen Auszug aus der Wohnung relativ beleidigt reagierte und mir mitteilte, es sei Teil des Projekts die „einfachen“ Lebensverhältnisse mit der Kirchengemeinde zu teilen. Er hätte deshalb gern, dass ich in Zukunft wieder im Projekt wohnen würde und es würde kein Geld für eine andere Unterbringung zur Verfügung stehen.

Nun ja, einfache Lebensverhältnisse sind eine Sache, unwürdige Lebensverhältnisse dagegen eine andere! Deswegen habe ich der Bitte meines Reverands nicht Folge geleistet und wohne bis zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht in der Kirche, sondern noch in der WG, wo ich sehr willkommen bin und tolle Unterstützung erfahre!

Julian mit stylischer Kopfbedeckung bei der Arbeit

Julian mit stylischer Kopfbedeckung bei der Arbeit

Als meine Länderbeauftragte sich die Wohnung in der Kirche anschaute hat sie sehr viel Verständnis für meine Situation gezeigt, aber mir auch signalisiert, das sowohl ASF, als auch mein Projekt kein Geld hätten mir eine andere Unterkunft zu besorgen und mich gebeten, doch zu probieren die Wohnung mit Hilfe meiner Mitfreiwilligen soweit es geht zu renovieren und bewohnbar zu machen. Andernfalls müsste ich wohl das Projekt wechseln oder meinen Dienst in den USA mit ASF ganz abbrechen. Da diese Alternativen mich keineswegs begeistern habe ich mich letztendlich darauf eingelassen, die Wohnung in der Kirche nicht aufzugeben, sondern zu versuchen mit Eigeninitiative und viel Unterstützung die Bude wieder einigermaßen herzurichten.

3 Wochenenden hinter einander habe ich bisher mit meinen Mitfreiwilligen zusammen in der Kirche geputzt und renoviert. Ich kann nicht oft genug betonen, wie dankbar ich den anderen Freiwilligen hier in NYC für ihre Hilfe bin!!!

Nick beim Streichen

Nick beim Streichen

Bis zum heutigen Zeitpunkt sind immer noch viele Dinge nicht gelöst, aber die Wohnung sieht schon sehr viel besser aus als vorher und ich werde versuchen demnächst Fotos hochzuladen, damit Ihr einen besseren Eindruck bekommen könnt!

Mein frisch renoviertes Zimmer

Mein frisch renoviertes Zimmer

Mein Bett mit neuer Matratze (keine Bettwanzen!)

Mein Bett mit neuer Matratze (keine Bettwanzen!)

Mein Toilette mit neuem Deckel in frisch renoviertem Badezimmer

Mein Toilette mit neuem Deckel in frisch renoviertem Badezimmer

Die Arbeit im Projekt erweist sich schon als eine große Herausforderung, die eine hohe Frustrationstoleranz benötigt, aber auch schöne Momente offenbart.

Doch mehr dazu findet ihr in meinem nächsten Artikel…

Ankunft in New York City

Oktober 11, 2008

Nach eineinhalb Stunden fahrt mit dem Bus kamen wir Nachmittags in NYC an und wurden von der Bushaltestelle von unseren Projektbetreuern abgeholt.

Mein Betreuer Reverand Robert Helm fuhr mit mir im Taxi zur Trinity Presbyterian Church und nach einem Smalltalk wurde ich direkt ins kalte Wasser geworfen: Ich sollte eine ältere, sehr sympathische Dame besuchen, die unter Multiple Sklerose leidet und im Rollstuhl sitzt. Ich wurde sehr herzlich von ihr empfangen und wir führten eine lange Unterhaltung in der sie mir gegenüber schon sehr offen ihre Lebensgeschichte erzählte. Inzwischen ist der wöchentliche Besuch bei dieser Dame ein fester Bestandteil meiner Arbeit hier im Projekt geworden, der mir am meisten Spaß macht, weil die Frau sehr dankbar für meine Hilfe ist und ich dadurch auch eine gewisse Befriedigung durch meine Arbeit erfahre.

Als ich zwei Stunden später wieder in der Trinity Presbyterian Church ankam (die Dame wohnt direkt gegenüber von der Kirche) zeigte mir der Reverand meine Unterbringung im obersten Stock (5th floor) des Gemeindehauses. Nachdem der Reverand mit Hilfe eines Nachbarn das Licht in meinem Zimmer anschalten konnte, weil die Elektrizität größtenteils nicht funktionstüchtig ist, wurde ich mit einer Wohnsituation konfrontiert, die bei mir erst einmal mein ganz persönliches Trauma dieses Auslandsjahres auslöste.

Mein Zimmer mit netter Nachricht des Vorgängers

Mein Zimmer mit netter Nachricht des Vorgängers

Hier eine Liste der Dinge, die ich in meiner Drecksbude vorgefunden habe:

- kaputte Elektrizität und offene Stromleitungen
- Schimmel auf dem Teppich in meinem Zimmer und im Bad an Seifenspender und Boden
- Löcher in den Wänden
- kein warmes Wasser
- kaputte Amaturen im Bad
- total verdreckte Räume
- eine Maus in der Küche
- Löcher in einem Rohr im Bad und in der Decke im Treppenhaus (wenn es regnet, läuft Wasser ins Bad und ins Treppenhaus)
- Wasser fließt im Waschbecken nicht richtig ab und wenn ich Wasser in der Küche laufen lasse, dann regnet es im dritten Stock von der Decke in den homeless shelter (Obdachlosenunterkunft)
- 2 Gasöfen in der Küche, die den Eingang in die Küche versperren und eigtl. auf den Sperrmüll gehören
- das mir versprochene Gästezimmer wurde zur Rumpelkammer umfunktioniert

Küche

Küche

Nach diesem Schockerlebnis habe ich zunächst die Flucht angetreten und bin zum Times Square maschiert um mich abzulenken. Danach bin ich nur noch aufs Bett gefallen (mein Bett unterscheidet sich nicht von denen aus dem Homeless Shelter) und total erschöpft eingeschlafen…

Toilette

Toilette

Waschbecken im Bad

Waschbecken im Bad (man beachte den verschimmelten Seifenspender rechts)

Orientation in Philadelphia

Oktober 11, 2008

Nach dem Wochenende in der Gastfamilie verbrachten wir noch bis zum 18. September einige Tage in Phily und wurden von unseren Länderbeauftragten Matthias & Katrin auf unser Jahr hier in den Staaten vorbereitet.

Neben vielen organisatorischen Infos, gab es mehrere interessante Programmpunkte: Ein sehr guter Film names „Facing Arthur“ (sehr empfehlenswert!!!), ein Gespräch mit einem Psychologen über das Thema „Intergenerational Transition of Trauma“ (Traumabewältigung zwischen den Generationen), ein Gespräch mit einem engagierten Bürgerrechtler, der uns mit dem politischen System in den Vereinigten Staaten und der Wahl im November diesen Jahres vertraut gemacht hat, sowie ein Workshop zu interkultureller Kommunikation.

Neben dem gelungenen Programm hatten wir Freiwilligen die Gelegenheit uns besser kennen zu lernen. Meine Mitfreiwilligen hier in den USA sind alle sehr nett und die Zeit in Phily hat mir viel Spaß gemacht! Ich denke wir werden uns in dem Jahr bestimmt gegenseitig besuchen und engen Kontakt halten.

ASF USA Freiwillige 08/09

ASF USA Freiwillige 08/09

Am 18. September war dann wieder Abschied nehmen angesagt und es ging mit dem „Greyhound Bus“ von Phily nach New York…